Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) | 5.000 €

Carolin Breme


Der Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) wurde 2025 an Carolin Breme für ihr Werk „Felder“ verliehen. In ihrer Begründung würdigt die Jury die kritische Auseinandersetzung des Werks mit gesellschaftlichen Fragestellungen.

Der Kunstpreis der Stadt Kempten wird seit 1950 verliehen und ist mit 5.000 € dotiert. Er ist mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Kempten innerhalb von sechs Jahren verbunden. Für diese Ausstellung steht ein Realisierungsbudget von bis zu 1.500 € zur Verfügung.

Carolin Breme und ihre ausgezeichnete Arbeit „Felder" © Foto Sienz


Begründung der Jury


„Bremes Werk ist berechtigterweise
sehr kritisch, aber ohne dass die Künstlerin
jemanden gezielt angreift. Es stellt die
richtigen Fragen …“

aus der Jurybegründung

Carolin Breme
„Felder“
80 × 120 × 60
Holz, Draht, Folie, Schnur,
Gläser mit eingelegtem Obst
und Gemüse, Audiodatei
mit Kopfhörern | 2025
© Foto Sienz

Carolin Bremes Arbeit Felder überzeugt sowohl durch ihre ästhetische Klarheit als auch durch den vermittelten Inhalt. Die Installation besteht aus Gewächshäusern, die mit einfachen Materialien – Folien, Schnüren, Holz – sehr treffend nachgebildet sind. Auf hölzernen Displays ruhen sie inmitten von Salz – sowohl in den Gewächshäusern selbst als auch auf dem Boden der Installation. Im Salz auf dem Boden stehen außerdem große Einweckgläser – sie verweisen auf eine andere Zeit. Eine Zeit, in der saisonale Ernte haltbar gemacht wurde, statt ganzjährig verfügbar zu sein.

Die Künstlerin thematisiert die industrielle Landwirtschaft und ihre Folgen: Die Tunnelgewächshäuser, wie sie für den Anbau von Spargel und Erdbeeren genutzt werden, stehen in direktem Zusammenhang mit Bodenversalzung, Wasserknappheit und dem intensiven Düngemitteleinsatz.

Bremes Werk ist berechtigterweise sehr kritisch, aber ohne dass die Künstlerin jemanden gezielt angreift. Es stellt die richtigen Fragen: Wie können Böden geschützt und dennoch genutzt werden? Wie lassen sich Ernährungssicherheit und faire Arbeitsbedingungen miteinander vereinen? Die Audioebene der Arbeit erweitert diese Fragestellungen um eine persönliche Dimension. In kurzen, von der Künstlerin erzählten Geschichten werden Menschen sichtbar, die im Rahmen der Lebensmittelproduktion sonst unsichtbar sind: Erntehelfer:innen, Gastarbeiter:innen und andere soziale Gruppen. Sprachbarrieren, Arbeitsrealitäten und soziale Ungleichheiten treten zutage.

Die Reihung der Gewächshäuser verweist auf die industrielle Skalierung – mit Bezug auf die riesigen Gewächshauslandschaften Spaniens, die Europas Obst- und Gemüsebedarf ganzjährig decken und gravierende ökologische Folgen mit sich bringen. Die darin arbeitenden Menschen stehen oft unter sklavenartigen Arbeitsbedingungen.

Felder ist eine vielschichtige Arbeit, die ihre gesellschaftskritische Dimension nicht vordergründig, sondern in einem stillen Ton entfaltet. Ganz subtil tritt sie nach und nach hervor. Die Überlagerung der verschiedenen inhaltlichen Schichten kennzeichnet dieses höchst ästhetische, gesellschaftskritische und preiswürdige Werk.


Carolin Breme über ihre Arbeit

Carolin Breme lebt und arbeitet bei Oberstaufen. Sie ist 1992 in Bad Godesberg bei Bonn geboren. © Foto Sienz

„Die Inspiration für meine Arbeiten entsteht oft beim Gärtnern. Durch die Tätigkeit inmitten der Pflanzen tauche ich in Bilder und lebendige Prozesse ein. Auch in den zwischenmenschlichen Begegnungen des Alltags erlebe ich eine besondere Poesie. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Geschichte, die vielleicht darauf wartet erzählt und gehört zu werden. Das Schreiben über diese Begegnungen und das künstlerische Arbeiten vertiefen für mich das Gefühl mit der Welt verbunden zu sein.
Die Arbeit "Felder" zeigt zwei auf Böcken präsentierte Modelle einer Folientunnel-Landschaft. Mittels Salz wurden in den Tunneln Spargel- und Erdbeerbeete nachempfunden – eine Referenz zur Versalzung des Bodens durch Überdüngung und Überwässerung in der konventionellen Landwirtschaft.

Unter den Modellen stehen Gläser mit eingeweckten Erdbeeren und Spargel – abgestellte Erinnerungen an eine vergangene Zeit.
Zu hören sind Erzählungen von Begegnungen mit Menschen, die anonym hinter unserer Nahrungsmittelproduktion stehen. Frauen, die Opfer patriarchaler und kapitalistischer Strukturen der industriellen Landwirtschaft werden und die im übertragenen Sinne auch für die Ausbeutung der (Mutter-) Erde stehen."


Videoportrait Carolin Breme

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