Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu | 2.000 €
Florence Bühr
Die Künstlerin Florence Bühr wurde für ihr fotografisches Werk „Pillars II“ von der Jury mit dem Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu 2025 gewürdigt.
Das Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu wird seit 2017 vergeben. Es ist mit 2.000 € dotiert und ermöglicht eine Ausstellung in der Kunsthalle Kempten, die innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden kann. Für diese Ausstellung steht ein Realisierungsbudget von bis zu 1.500 € zur Verfügung.
Die Künstlerin Florence Bühr vor ihrem ausgezeichneten Werk „Pillars II“. © Foto Sienz
Begründung der Jury
Florence Bühr„Pillars II“
80 × 70
Foto-Druck auf Alu-Dibond
2025
Die Fotografie „Pillars II" von Florence Bühr zeigt eine Aufnahme eines Holzpavillons am Strand unter einem bewölkten Himmel. Durch ein semi-transparentes Textil am Ende des Gebäudes entsteht eine zweite Bildebene, die den Blick auf den dahinterliegenden Strand freigibt. Innen- und Außenraum beginnen zu verschmelzen, auch gekennzeichnet durch den Sand, der auch im Innenraum ist. Sonnenlicht dringt durch das Dach und erzeugt Schatten; eine Pflanze kragt zur Seite ins Rauminnere - die Natur scheint sich den menschlichen Raum langsam wieder anzueignen.
Gleichzeitig stellt die Fotografie die Frage: Was ist real, was Projektion? Die Rückwand verdeckt die reale Situation – den Blick auf den Strand. Und ist es ein Strandpavillon oder eine verlassene Lagerhalle? Zeigt das Bild eine sommerliche Idylle – oder projizieren wir sie nur hinein? Das Foto verweigert die klassische Postkartenästhetik und schafft ein Gefühl von Ausgeschlossenheit. In dieser Ambivalenz liegt sein Reiz.
Auch der Aspekt der Zeitlichkeit schwingt mit. Der Pavillon wirkt verlassen – vielleicht vor der Saison, vielleicht dauerhaft ungenutzt. Die Szenerie bleibt offen, wird zur Projektionsfläche.
Visuell überzeugt die Fotografie durch ihre subtile Farbigkeit und ihre Komposition: Die hölzernen Bodenbretter spiegeln sich in den Balken der Decke, die in Wassertönen erscheinen und sich nach hinten verdunkeln. Der stringente Aufbau des Bildes, die formale Strenge und die großartige Komposition, die die Künstlerin gesehen und mit ihrer analogen Mittelformat-Kamera aufgenommen hat, überzeugen.
In früheren Arbeiten arbeitete Florence Bühr mit fotografischen Montagen. Heute findet sie das Montierte im Motiv selbst. Damit entwickelt sie ihre fotografische Praxis konsequent weiter. Die Jury würdigt diese präzise und vielschichtige Arbeit mit dem Ausstellungsstipendium der Sparkassen Allgäu – und mit dem Wunsch, mehr Werke der Künstlerin zu sehen.
Florence Bühr über ihre Arbeit „Pillars II"
„Ich denke, in unserem
schnell gewordenen Leben
fehlt uns das Stehenbleiben,
Verweilen.
Genau hinsehen;
tiefer hineinsehen.“
Florence Bühr
Florence Bühr wurde 1978 in Kempten (Allgäu) geboren. Sie lebt in München und Portugal. © Foto Sienz„Als Pillars II entstand, war der Himmel blau-schwarz und das Meer grau. Der Strand menschenleer. Das grüne Schattennetz verdeckt den Horizont, verschleiert den Blick, nimmt ihm das Liebliche, aber nicht die Kraft. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, ich muss den Moment für mich festhalten, um ihn zu bewahren, auf dem Papier und in mir.
Als ich meine Mittelformatkamera kaufte, gab es noch keine sozialen Medien, aber schon digitale Kameras.
Analoge Fotografie ist zeitaufwendig, teuer und fordert Geduld. Nur zwölf Bilder passen auf einen Mittelformatfilm. Jede Aufnahme will gut überlegt sein. Ich gehe nicht gezielt zu meinen Motiven, sie sind plötzlich da, wenn ich unterwegs bin. Oder auch nicht. Viele Momente sind an mir vorbeigegangen: Die Kamera nicht dabei, ein schreiendes Kind im Auto, keine Möglichkeit anzuhalten.
Meine Bilder zeigen jene Momente in denen ich anhalten und innehalten konnte. Meer, Sand, Staub, Ziegel, Beton. Felsen, Holz, Ruinen, Verfall, alte Schichten, neue Schichten - Strukturen geformt von Zeit. In all diesen Gegensätzen sehe ich Schönheit - auch im Belanglosen, Schäbigen, Hässlichen. Ob Natur oder Stadt. Es ist Teil des Ganzen.
Ich denke, in unserem schnell gewordenen Leben fehlt uns das Stehenbleiben, Verweilen. Genau hinsehen; tiefer hineinsehen. Der Strom aus der Steckdose, das Wasser aus dem Hahn, die Wärme aus der Heizung. Wir wissen gar nicht mehr woher alles kommt. Irgendwo ist immer eine andere Seite, sind Leitungen, Server, Rohre, pumpt, brennt, fließt etwas; irgendwo ist das Analoge, das RAW-File, das Echte. Das ist es was ich suche, was ich sehen möchte; es ist das was mich berührt."
Videoportrait Florence Bühr
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