Thomas-Dachser-Gedenkpreis | 4.000 €
Brigitte Guggenmos
Für ihre beiden Gemälde „Tage wie diese“ I und II zeichnet die Jury die Künstlerin Brigitte Guggenmos aus Kempten mit dem Thomas-Dachser-Gedenkpreis 2024 aus.
Der Thomas-Dachser-Gedenkpreis wird seit 1969 im Rahmen der Kemptener Kunstausstellung vergeben. Die Auszeichnung ist aktuell mit 4.000 € dotiert. Ursprünglich als Bürgerpreis gegründet, wird er heute vom Unternehmen Dachser gestiftet.
Brigitte Guggenmos vor ihren ausgezeichneten Kunstwerken „Tage wie diese“ I und II © Foto Sienz
Begründung der Jury
„Das Schöne an dieser Art von Malerei ist,
dass nichts passiert, was besonders
heutzutage ein interessanter Aspekt ist.“
aus der Jurybegründung
Brigitte Guggenmos
„Tage wie diese I“
80 × 80
Acryl, Kreiden | 2024
Es ist spannend zu sehen, wie Gebäude und Räumlichkeiten in diesen zwei Gemälden vereinfacht und in Flächen dargestellt werden. Eine gewisse Naivität steckt in der Arbeit, aber durch die Farbbehandlung entsteht eine große Ernsthaftigkeit. Zu sehen sind vereinfachte, eher grafisch aufgefasste Gebäude, die in winterlichen Landschaften eingebettet sind. Die Gemälde laden ein, über unsere Besiedlungsformen und Architektur nachzudenken. Die gezeigten Szenen zeigen keine objektiven Bestandsaufnahmen, sondern gleichen vielmehr einem subjektiven Stimmungsbild.
Brigitte Guggenmos
„Tage wie diese II“
80 × 80
Acryl, Kreiden | 2024
Die Farben werden zwar zurückgenommen, aber doch kontraststark eingesetzt, so dass die Gemälde funktionieren und ausgewogen erscheinen. Es zeugt von einer enormen Sensibilität, wie Guggenmos Behausungen als geometrische Flächen aufgreift, um durch diese Reduktion zu einer sinnlichen Lesart zu gelangen. Die Gebäude und die Landschaften sind sehr linear dargestellt, aber in den Farbflächen sind viele Nuancen enthalten. Die winterliche und trübe Stimmung lädt das Auge ein, sie zu durchwandern. Das Schöne an dieser Art von Malerei ist, dass nichts passiert, was besonders heutzutage ein interessanter Aspekt ist. Es geschieht nichts, kein Mensch ist zu sehen, aber trotzdem schauen wir hin und entdecken Spuren des Menschen und der Zivilisation im Allgemeinen. Die Gemälde vermitteln eine gewisse Universalität in örtlicher und zeitlicher Hinsicht; sie entziehen sich der Aktualität.
Brigitte Guggenmos über ihre Arbeit
„Wenn ich von einer Reise zurückkomme, begleiten mich immer Bilder von Landschaften, Menschen und Begegnungen, die diese zu einem einmaligen Erlebnis werden ließen und noch lange Zeit nachwirken.
Besonders faszinieren mich nordische Länder wie Island und Norwegen. Karge Landschaften, weit, menschenleer und vor allem dieses spezielle Licht, hinterlassen bei mir bleibende Eindrücke. Die versuche ich, in meine Bildsprache zu übersetzen.
Auf beiden Arbeiten sind Gebäude zu sehen. Regen und Schnee lassen die Szenerie fast unwirklich erscheinen. Ein Gefühl von Verlassenheit kommt auf. Die Stille ist fast spürbar, ohne jedoch bedrohlich zu wirken.
Für diese beiden Bilder habe ich bewusst eine schwarze Grundierung gewählt. Die Farben sind stark lasierend aufgetragen, um diese besondere Stimmung zu unterstreichen. Wichtig ist für mich auch der handwerkliche Aspekt. Leinwände baue ich meist selbst. Die verwendeten Farbtöne werden von mir gemischt."

Videoportrait Brigitte Guggenmos
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