Thomas-Dachser-Gedenkpreis | 4.000 €
Guido Weggenmann
Für seine Werke „Diggin for Gold oder die Suche nach dem Glück“ und „Ein großes Ohr, Titel was?“ zeichnete die Jury den Kemptener Künstler Guido Weggenmann mit dem Thomas-Dachser-Gedenkpreis 2021 aus.
Der Thomas-Dachser-Gedenkpreis wird seit 1969 im Rahmen der Kemptener Kunstausstellung vergeben. Die Auszeichnung ist aktuell mit 4.000 € dotiert. Ursprünglich als Bürgerpreis gegründet, wird er heute vom Unternehmen Dachser gestiftet.
Guido Weggenmann vor seinem ausgezeichneten Werk „Diggin for Gold oder die Suche nach dem Glück“ © Foto Sienz
Begründung der Jury
Guido Weggenmann
„Diggin for Gold oder die Suche nach dem Glück“
Holz, Getriebemotor, Acryl
280 x 300 x 350, 2021
Bei den zwei Werken von Guido Weggenmann geht es für die Jury einerseits um die Selbstdarstellung eines Künstlers, andererseits ist es ein Statement zur Lage der Kunst in Notzeiten.
Mit der Goldwaschmaschine „Diggin for Gold oder die Suche nach dem Glück“ verarbeitete der Künstler die Schwierigkeiten, die der Corona-Lockdown für Kunstschaffende mit sich brachte. Er sah den letzten Ausweg darin, Gold zu schürfen – also Fördergelder einzuwerben –, um künstlerisch und wirtschaftlich nicht unterzugehen. Die Arbeit hätte als letzte Ausstellung in den von ihm gegründeten Kunstarkaden gezeigt werden sollen, aber der Lockdown verunmöglichte das Vorhaben. Die Maschine selber ist handwerklich sehr solide gearbeitet, sie ist präsent, unüberhör- und unübersehbar. Die leere Trommel dreht sich immer weiter, genauso wie Weggenmann, der als Gründer der Kunstarkaden ein Motor der hiesigen Künstlerszene ist.
Guido Weggenmann
„Ein großes Ohr, Titel was?“
Stahl, Kunststoff, Lack, Spanngurte
210 x 140 x 90, 2021
Das andere Werk „Ein großes Ohr“ könnte auch ein Herz sein. Das Herz des Künstlers, das dafür schlägt, dass er ausstellen darf.
Guido Weggenmann über seine Arbeit
„Als Bildhauer sauge ich mich tief in die Materie hinein. Dabei reagiere ich sehr feinfühlig auf die Ereignisse unserer Zeit. Aus einer starken formalen Präsenz entspringt ein inhaltlich poetischer, nachdenklicher, kritischer Kern. Dabei will ich mit meinen Arbeiten keine Lösungen anbieten, sondern kritisch hinterfragen, um den Betrachter zum Nachdenken anzuregen.
Bei „Diggin for Gold oder auf der Suche nach Glück“ handelt es sich um eine kinetische Arbeit, die fast ausschließlich aus orange kolorierten Dachlatten besteht. Im Grunde stellt sich mir als Bildhauer die Frage, wo stehen wir als Gesellschaft, wo stehen wir als Kunstschaffende, wohin wird sich alles entwickeln. Die Arbeit dokumentiert nicht die Corona-Krise, aber natürlich haben Erlebnisse in dieser Zeit Spuren hinterlassen. Da die Zeit reif war und die Not groß ist, steht sie aber für die selbige. Die Arbeit berichtet von Träumen und Hoffnungen, sie zeugt von dem Mut, mit den eigenen Händen etwas zu erringen, um sich eine gewisse Sicherheit und Unabhängigkeit aufzubauen. In sich selbst ist die Apparatur fast schon eine Lebensform, ein Organismus, die zu Beginn über den Einfülltrichter etwas in sich aufnimmt, anschließend die Trommel, angetrieben durch einen Elektrogetriebemotor, trennt und scheidet zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, wichtig und unnütz. Das passt dann wohl auf schmerzhafte Weise in unsere Pandemie geplagte Welt, bis hinein in das Atelier der Künstler:innen".
Guido Weggenmann wurde 1980 in Berlin geboren. Heute lebt und arbeitet der Künstler und Bildhauer in Kempten. © Foto Sienz
Videoportrait Guido Weggenmann
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