75 Jahre – 8 Werke
Eine Sonderausstellung zu 75 Jahren Kunstpreis Kempten
Anlässlich des 75. Jubiläums der Kunstausstellung werden im kleinen Ausstellungsraum des Marstalls ausgewählte Werke von acht Preisträger:innen präsentiert, die die Geschichte des Kunstpreises der Stadt Kempten über sieben Jahrzehnte hinweg widerspiegeln. Die kleine Sonderschau versteht sich nicht als vollständige Rückschau, sondern als exemplarischer Einblick in die Geschichte des Kunstpreises und der regionalen Kunst.
Wir laden Sie herzlich ein, in dieser Sonderausstellung ein Stück Kunstgeschichte zu entdecken und die vielfältigen künstlerischen Positionen unserer Region zu erleben.
Nachkriegszeit – Neuorientierung und Freiheit
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg prägte eine künstlerische Neuorientierung das Schaffen. Wiedergewonnene Freiheiten eröffneten einen unverzichtbaren Diskurs der Moderne. Durch wachsende Reisemöglichkeiten rückten Fragen nach Fremdheit, Identität und Erinnerung in den Fokus. Demokratisierungsprozesse und die studentische Protestkultur begleiteten künstlerische Auseinandersetzungen mit Macht, Gewalt und Verantwortung, während gleichzeitig die öffentliche Kulturförderung einen grundlegenden Neuaufbau erfuhr.
Maximilian Rueß "Männlicher Kopf", 1964, Malerei (Harz auf Papier)
Franz Meier "Ablenkung", 2008, Malerei (Öl auf Leinwand)
Ende der Ost‑West‑Polarisierung – neue Blickachsen
Mit dem Ende der Ost‑West‑Spannungen verschoben sich die künstlerischen Blickachsen. Die Malerei wurde ebenso neu befragt wie die Grenzen zwischen den Gattungen. Internationale Impulse – etwa die Erweiterung des Kunstbegriffs und die Vorstellung von „Kunst ist Leben“ – brachten Kunst und Gesellschaft enger zusammen. Material und Prozess gewannen an Bedeutung, kollektive Erinnerung wurde neu verhandelt und die zunehmende Vernetzung eröffnete neue Perspektiven für den internationalen künstlerischen Austausch.
21. Jahrhundert – digitale, installative und partizipative Arbeiten
Im gegenwärtigen Jahrhundert prägen digitale, installative und partizipative Arbeiten das künstlerische Schaffen. Zwischen Ironie, Distanz und wissenschaftlich‑konzeptioneller Offenheit laden sie die Besucherinnen und Besucher dazu ein, eigene Deutungen zu entwickeln und gesellschaftliche Fragestellungen mitzudenken.
Die Auswahl der acht Werke erfolgte aus den Beständen der städtischen Kunstsammlung. Sie bietet einen kompakten, aber tiefgehenden Querschnitt durch die künstlerischen Strömungen der letzten 75 Jahre und zeigt, wie eng Kunst und gesellschaftlicher Wandel miteinander verwoben sind.
Markus Pieper "Waldarbeiter II", 2018, Zeichnung (Kugelschreiber auf Papier)
